Alle Operationen im Albertinen-Herzzentrum werden in einer sehr schonenden Vollnarkose durchgeführt.
Bereits am Vorabend der Operation und am Operationstag, etwa eine Stunde vor Operationsbeginn, bekommt der Patient eine oder mehrer Tabletten (Prämedikation), die der Vorbereitung der Narkose dienen: der Patient soll in der Nacht vor der Operation gut schlafen und ruhig und entspannt im Operationssaal eintreffen. Neben den ausführlichen Aufklärungsgesprächen der Chirurgen und der Anästhesisten am Tag vor der Operation sollen auch diese Tabletten dazu dienen, die Angst vor Narkose und Operation zu mindern.
Nach Ankunft des Patienten im Operationssaal wird eine Infusion angelegt, über die alle Narkosemittel verabreicht werden. Narkosegase werden im AHZ grundsätzlich nicht mehr verwendet. Die Narkose wird als TIVA (total intravenöse Anästhesie) durchgeführt und besteht aus drei Komponenten: Ein Schlafmittel schaltet das Bewusstsein aus. Ein Schmerzmittel sorgt dafür, dass der Körper auch vegetativ nicht auf die mit der Operation verbundenen Schmerzen reagiert. Dies ist wichtig, damit es nicht zur Ausschüttung von Stresshormonen kommt, was wiederum die ungewollte Aktivierung verschiedener Stoffwechselkreisläufe nach sich zieht. Schließlich ist ein Mittel zur Entspannung der Muskulatur Bestandteil der Narkosemedikation.
Die Narkose wird von einem Anästhesisten und einer Anästhesiepflegekraft gemeinsam eingeleitet und während der gesamten Operation lückenlos überwacht. Dazu stehen eine Reihe von Überwachungseinrichtungen zur Verfügung, z.B. EKG mit Rhythmus- und ST-Streckenanalyse, Pulsoximetrie zur Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut, kontinuierliche Blutdruckmessung über eine in die Schlagader am Handgelenk (Arteria radialis) eingeführte dünne Kanüle, Messung der Drucke im Herzen und der Herzfunktion durch einen Zentralen Venenkatheter oder Pulmonalarteriellen Katheter, der am Hals eingeführt wird und auch die Gabe von Medikamenten, Infusionen und Blutprodukten sowie die Blutentnahme für Laboruntersuchungen zulässt, Blasenkatheter für die Überwachung der Nierenfunktion, ein Elektroenzephalogramm (EEG) zur Überwachung der Narkosetiefe.
Bei allen Herzoperationen wird eine künstliche Beatmung über einen durch den Mund bis in die Luftröhre eingeführten Tubus durchgeführt. Bei klappenrekonstruierenden Eingriffen kann mittels eines transösophagealen Echos (TEE) das Operationsergebnis direkt im Operationssaal beurteilt werden.
Des weiteren steht im OP ein Labor zur Verfügung, so dass alle wichtigen Laborparameter direkt bestimmt werden können. Zu den Aufgaben der Anästhesie gehört außerdem die Überwachung und Aufrechterhaltung der Körpertemperatur, des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern, der Nierenfunktion, der Lungenfunktion und der Blutgerinnung , die Gabe von Blutprodukten und die Mitbehandlung möglicher Begleiterkrankungen.
Eine sehr enge, über Jahre entstandene Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgen, Kardioanästhesisten und Kardiotechnikern gewährleistet einen sehr sicheren Operations- und Narkoseverlauf. Zudem haben es sich die Anästhesisten zum Ziel gesetzt, dem Patienten nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten, sondern ihm die Operation auch so komfortabel wie möglich zu gestalten.
Nach Beendigung der Operation wird der Patient vom Anästhesisten auf die Intensivstation verlegt und an die dortigen Kollegen übergeben. Auf der Intensivstation wird die Narkose noch einige Stunden fortgeführt, um ein schonendes, stress- und schmerzfreies Aufwachen zu ermöglichen. Etwa vier bis acht Stunden nach der Operation wird der Beatmungstubus entfernt. Bis zum nächsten Tag sind die meisten Patienten noch sehr schläfrig. Übelkeit und Erbrechen nach der Operation sind bei dieser Narkosetechnik selten, wenn jedoch trotzdem einmal Probleme auftreten, können sie sehr wirksam mit Medikamenten behandelt werden. Schmerzmittel werden nach Bedarf verabreicht , so dass die Patienten schmerzfrei gut durchatmen und abhusten können. Die Mobilisation beginnt bereits am ersten Tag nach der Operation: Wir möchten, dass unsere Patienten so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen!
Am ersten oder zweiten Tag nach der Operation erfolgt die Verlegung auf die Normalstation, dann werden auch schon die meisten Katheter und Drainageschläuche entfernt.